CHRISTIAN MARZY
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Los gehts!
2008.03.01
Die lange, sehnsüchtige Zeit des Wartens ist vorüber. Endlich wieder Urlaub. Ich habe einen ganzen Monat Zeit und geplant ein paar relaxte Wochen in Australien zu verbringen. Auf dem Hinweg werde ich allerdings noch Zwischenstopps in Dubai und Bangkok einlegen.

Gerade eben ist der riesige Flieger in München in den Nachthimmel abgehoben. Erste Station ist das 4500 km entfernte Dubai. Der Flug wird ca 5 Stunden dauern und mir ist schnell langweilig obwohl hier Filme und Videospiele laufen. Aber morgen früh werde ich vielleicht schon den Sonnenaufgang am Strand erleben. Ich bin diesmal allein unterwegs aber werde wahrscheinlich in 10 Tagen Jenny in Sydney treffen.

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Flughafen - Hallo Dubai
2008.03.02
Dubai rockt! Der erste Tag am Urlaubsort ist ja immer der beste. Wenn alle Sinne auf hochtouren laufen und das Hirn versucht all die neuen Eindrücke einzusortieren stellt sich bei mir immer ein richtiges Glücksgefühl ein. Die Luft die ich atme als sich die Fliegertür öffnet war die Reise schon wert. Es riecht wie eine Mischung aus warmem Asphalt und frisch ausgepackter Hardware. Die orangene Sonne geht gerade auf und ich würde am liebsten schon den Camcorder auspacken und ein glückliches Liedchen singen.

Aber vorher bekomme ich noch versischert das es des Emirates so leid tut, dass wir wegen Umbau des Terminals ewig mitm Bus zum Terminal gurken und die Passkontrolle nicht so schnell geht. Bevor ich den modernen Flughafen verlasse habe ich schon mehr Baustellen gesehen als fertige Gebäude.

Zu dumm nur das ich kein Arabisch spreche und die Adresse vom Hostel nicht ausgedruckt habe. Aber in Dubai ist man eben nicht so unfreundlich wie in Deutschland und holt als Taxifahrer seinen englisch sprechenden Kumpel ans Handy und lässt mich einfach dolmetschen. Und tatsächlich bringt er mich vorbei an erstaunlich grünen Rasen zum richtigen Hostel. Daran hatte ich nicht geglaubt. Service mitten in der Wüste.

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Zimmer mit Blick auf Baustelle
Den Sonnenaufgang hatte ich zwar verpasst aber zu früh um ins Zimmer einzuchecken war es dann doch. Ich nutze die Warterei und trinke durstig 2 Liter wasser. Der kaum zu verstehende Rezeptionist in der einzigen ofiziellen Jugendherberge Dubais ist scheinbar noch müde. Mein Zimmer soll 190 AED (ca 35 Euro) kosten aber dafür hat es eine Klimaanlage, Kühlschrank, Waschbecken, Klo und Bettzeug. Es ist sauber aber wie die meisten Hostels schon ein wenig gammlig. Ausserdem darf man den blauen Pool und die verlassenen Sportplätze nutzen. Es ist sehr nah am Flughafen und Busse fahren preiswert zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Leider besteht absolut keine Schalldämpfung und ich werde später in der Nacht oft durch andere Gäste aufwachen. Aber für meine Zwecke und den Preis ist es gut.

Ich hab ja immer Paranoia dass mir jemand meine paar Sachen klauen will und packe Ausweise, Tickets, Elektronik etc in meinen Rucksack und ziehe vollgepackt los. An Sonnencreme denke ich nicht. Die günstige Fahrt mit dem klimatisierten Bus zum Gold Souk belohnt einen schon mit einem kurzen Ausblick auf die Creek - dem Fluss der Dubai teilt. Da ich einen neuen Camcorder habe verbringe ich den Vormittag hauptsächlich mit Motivsuche und verschiedenen Aufnahmetechniken. Manchmal denke ich mir dass ich die Hälfte verpasse wenn ich dauernd auf das Display vom Camcorder glotze aber es macht mir halt Spass sich mal wieder wie n Touri zu benehmen =)

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Auf dem Weg zur Arbeit
Ein bisschen fremd fühle ich mich schon. Es laufen tatsächlich ein Grossteil der Männer in komplett weisser Kleidung rum und sehen darin verdammt wichtig aus. Obwohl die Hitze flimmert tragen alle Männer beinbedeckende Kleidung. Schwarz eingehüllte Frauen scheinen ein Nebenprodukt der Menschheit und ich mache es wie alle anderen und ignoriere sie weitgehend. Ich fühle mich sehr sicher, keiner kommt mir zu nah oder vermittelt ein beängstigendes Gefühl. Nur muss ich im Bus und auf den Booten immer umständlich Geld wechseln lassen da die nur auf Kleingeld eingestellt sind und der ATM am Flughafen natürlich nur die grössten Scheine ausspuckt..
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Chinatown - Gold Souk
Die vom Reiseführer hochgelobten Souks haben mich ein wenig enttäuscht. Architektonisch sicherlich herausragende Einkaufsstrassen aber überfüllt mit lookie-loockie-leuten die einem Rolex und andere Markennamen ins Ohr flüstern. Holzstreben überspannen die Strasse und bilden das Dach. Shoppen will ich eh nicht also laufe ich schnell an den mit Schmuck überquellenden Läden vorbei. Ich schlendere durch die Gassen von Chinatown und Erinnerungen an meinen letzten Urlaub werden wach. Strassen werden zu schmalen Gassen, die Geschäfte scheinen vor sinnlosen Waren überzuquellen und die Menschen wuseln wie Ameisen hin und her. Meiner Meinung nach sehen die Chinatowns in jeder Stadt ähnlich aus also verlasse ich den Stadtteil wieder um was von Dubai zu sehen.

Was die Souks nicht halten macht die charismatische Creek wieder wett. Ein von etlichen kleinen und grossen Holzschiffchen befahrener Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften. Ich laufe südlich am Ostufer entlang und bestaune die modernen Häuser und alten heruntergekommenen aber Schiffe auf denen man allerhand interessante Szenen beobachten kann wenn man aufmerksam schaut. Meterhoch stapeln sich verschiedenste Waren und Güter neben den Schiffen. Brücken gibt es weit und breit keine, also hüpfe ich kurzerhand auf eines der kleinen, tuckernden Boote und lasse mich für 5 Euro einmal den Fluss auf und ab fahren. Das ist zwar Touristenabzocke aber eine tolle Erfrischung, da man die strapazierten Beine mal ausruhen kann und der Fahrtwind einen vergessen lässt das man gerade mitten in der Wüste durchgeschmort wird. Von hier aus sieht man die beeindruckende Skyline mal mit ein bisschen Abstand als grosses Ganzes.

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Verlassenes Heritage Village
Ich lasse mich bei der Museensammlung im Heritage Village auf der anderen Uferseite absetzen. Zum Glück falle ich beim wackeligen Aussteigen nicht ins Wasser. Auf Haltetaue und sonstige überflüssigen Vorschriften wird hier verzichtet. Das Heritage Village ist ein riesiges, dünn bebautes Areal in dem traditionelle Häuser so restauriert wurden, dass man das Gefühl nicht los wird durch eine ausgestorbene Filmstadt zu wandeln. Die Häuser sind in einheitlichem Braun gehalten und durch ihre verwinkelte Bauweise mit kühlenden Windtürmen besonders interessant zu besichtigen. Der Besuch ist kostenlos, schattig und glänzt durch die Abwesenheit von Touris. Der perfekte Break vom hektischen, Chinatown ähnlichen Stadtleben. Ich gehe das westliche Creekufer entlang und entdecke viele kleine tolle Strassen welche teilweise in die typische Soukarchitektur übergehen. Ich finde die Seite des Ufers viel schöner und einen Tick relaxter als das Ostufer.

Da ich wegen den Flugsicherungsbestimmungen und meiner Faulheit keine Sonnencreme benutzt habe flüchte ich von der Wüstensonne verbrannt zurück ins Hostel und zahle ich Nachts einen sehr schmerzhaften Preis. Gerade um die Mittagszeit gab es kaum ein entrinnen vor dem Sonnenbrand. Wahrscheinlich bin ich eh der einzige Idiot dem es jedes Jahr wieder passiert, aber ich habe die Sonne wahrscheinlich durch die angenehme Brise hier gehörig unterschätzt. Deswegen habe ich den restlichen Tag im Hypermarkt um die Ecke und im Bad mit eincremen verbracht.

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Sonnencreme? Nee!
2008.03.03
Das Frühstück im Hostel war interessant. Ganz dünne Fladenbrote zum aufklappen und beschmieren. Dazu eine alte warme Wienerwurst. Ein deutscher Hostelgast prophezeit mir dass mein übler Sonnenbrand noch richtig schmerzen wird. Bei seinen worten kribbelt es mir in der Brust.

Leider behält er recht. Die ersten zehn Minuten in der Sonne und ich würde mir die Haut am liebsten vom Gesicht reissen. Ich flüchte in einen schattigen Bus und lasse mich zum überdachten Flughafen fahren. Auf dem Weg sehe ich einen Bread Talk aber der Bus fährt einfach an dem leckeren Frühstückssachen vorbei. Ich werde wohl ein ernstes Wörtchen mit dem Oberscheich von Dubai reden müssen damit dort ne Haltestelle gebaut wird. Mein Flieger geht zwar erst in 18 Stunden aber ich wollte die Reisetasche loswerden und mich im Gebäude abkühlen.

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Baustellen der Superlative
Danach lasse ich mich von einem Taxi richtung Jumeira Beach fahren. Am Rand der kilometerlangen Strasse steht ein kunstvoller Wolkenkratzer neben dem anderen. Schafft man es jedoch mal zwischen ihnen hindurchzublicken kann man dahinter schon dutzende weitere Skellete sehen die noch zu Hochhaüsern ausgebaut werden. Diesmal entdecke ich auf der Strecke statt einem Bread Talk die von weitem erkennbare Mall mit der integrierten Skihalle und steige kurzerhand dort aus. Überwältigt von der Grösse und dem Angebot der Mall of Emirates schlendere ich durch ewige Passagen bis ich plötzlich an einer Bowlingbahn ankomme. Direkt daran angeschlossen ist ein Areal mit Glücksspiel und Arcadeautomaten sowie einem Freefall Tower, nem Autoscooter, einer Schiffsschaukel und diversen anderen Rides. Da ausser mir aber sonst keiner da ist der fahren möchte verlasse ich dieses kleine Paradies wieder.

Die Snowboard Ski und Rodelhalle ist wirklich aussergewöhlich. Während auf der einen Seite des Fensters eine Schneeballschlacht stattfindet, stehe ich auf der anderen Seite mit verschwitztem Hemd und Sonnenbrand. Für jeden der schonmal in den Bergen boarden war ist der Anblick natürlich lächerlich, aber für die Wüstenbewohner hier ist es bestimmt ein unglaubliches Gefühl mal Wintersport zu betreiben. Da mein Dubaigeld (insgesamt 150 Euro für beide Tage) fast leer war wollte ich auch nicht shoppen und bin dann einen der zwölf Kinosäale gegangen um dort die Mittagshitze auszusitzen. Auch wenn Malls überall auf der Welt zu haben sind lohnt sich ein Besuch in dieser besonders.

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Burj al Arab am Jumeira Beach
Obwohl die Leute mein rotes Gesicht schon kichernd betrachten wage ich mich nach fünf Stunden doch endlich aus der Mall und lasse mich zum Jumeira Beach fahren. Dort gibt es neben einem schönen Strand auch einen Wasserpark mit Rutschen etc. und die berühmten beiden Hotels die wie gigantische Bootselemente aus dem Wasser ragen. Dankbar und zufrieden betrachte ich die Sonne beim untergehen...

Jetzt sitze ich am Flughafen und überlege wie ich Dubai einordnen soll. Es ist einfach unglaublich was die Leute hier in den lezten Jahren aus dem Wüstensand gestampft haben. Es ist ein Kulturmix der sich kompromisslosen Luxus auf die Fahnen geschrieben hat, aber dennoch nicht vergessen hat Tradition und Kultur mit ins neue Zeitalter zu nehmen. Armut ist mir so gut wie keine begegnet, dennoch haben die Menschen trotz dem Luxus ihre Freundlichkeit und Toleranz bewahrt. Dubai wirkt wie eine sehr junge Stadt die den Vorteil mit sich bringt Platz und vorausschauendes Bauen miteinander zu vereinen. Zwar gibt es hier so viele Baustellen dass man meinen könnte hier wäre erst kürzlich ein Krieg zu ende gegangen allerdings sind diese so geschickt angelegt dass sie den Verkehr kaum behindern. Zwei Tage aufenthalt sind ziemlich knapp bemessen um eine Stadt kennenzulernen dennoch kann ich guten Gewissens sagen das Dubai mehr wie eine Attraktion als eine Stadt auf mich gewirkt hat. Auf dem Rückflug werde ich dennoch nochmal herkommen.

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